Geräusch oder Musik?

klein_(c)_Robert_Niemeyer_(16)1Wie definiert sich Musik? Wodurch wird ein Geräusch zu Musik? Geht es um das bewusste Anordnen von Klängen? Oder ist das Hervorbringen von Klängen per se Musik, so wie es beispielsweise John Cage definiert?

Ein Kinderkonzert ist kein Ort zum Philosophieren, wohl aber zum Spielen mit experimentellen Klängen. Beim Kinderkonzert der KAP „Mitmach-Melodie der Großstadt“ kommen also, begleitet von einem klassischen Streichquartett, diverse Klangerzeuger zum Einsatz: Trillerpfeife und Hupe, Schreibmaschine und Spülbürste, Pfanne und Kochtopf – die Liste ließe sich weiter fortsetzen. Optischer Hingucker ist ein Küchenschlagzeug-Set aus Pfannen, Töpfen Tassen und Eimern.klein98

Dem KAP-Schlagzeuger Friedemann Werzlau zur Seite steht Eselin Frieda, die zusammen mit den Kindern einen klangvollen Tag in der Stadt erlebt. Zum Aufstehen gibt es eine Body-Percussion (Guten Morgen! Na, gut geruht? Ja, ziemlich gut!). Dann folgt Musik der verschiedensten Stilrichtingen, die mit geräuschhaften Klängen arbeitet. Im „Typewriter“ von Leroy Anderson spielt die Schreibmaschine als Rhythmus-Section mit, die „living room music“ von John Cage wird auf dem Küchenschlagzeug musiziert, die dreckigen Töpfe bürstet Eselin Frida zum „Sandpaper Ballet“ von Anderson. Wir haben den beiden mal beim Üben über die Schulter geschaut:

MinionUnd der Sound der Baustelle ist schließlich die „music for pieces of wood“ von Steve Reich. Danach bauen die Kinder eigene Klangerzeuger. Aus leeren Ü-Eiern wird mit Hilfe von Reis, blauem Klebeband und Wackelaugen ein Minion-Orchester, das den Klang von Regen imitieren kann, eine bewegte Rhythmus-Section beim Straßenverkehrs Boogie bildet oder zum ungarischen Tanz von Brahms abtanzt.

Gut gelaunt gehen Kinder und Musiker nach Hause. Was ist nun bei den Kindern hängen geblieben? Sind Geräusche Musik…? Eine Mutter schreibt uns wenige Tage später: Ihr Sohn habe abends eine Bühne aufgebaut, Tickets verkauft und zum Puppenspiel-Konzert geladen, in dem eine halbe Stunde lang mit den verschiedensten Materialien Klänge erzeugt wurden. Diesem Kind hat Frieda ganz sich die Ohren geöffnet – so wie hoffentlich vielen anderen auch. Da dürfen wir ein wenig stolz sein, oder??

Ein Beitrag von Isabel Stegner

Fotos: Robert Niemeyer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s