Partitur mit Wasserhahn

Geräusche gesammelt haben die schlauen Igel mit Begeisterung! Aber was machen wir nun mit all den interessanten Klängen, die wir gefunden haben? Wir wollen schließlich nicht nur das genaue Hinhören schulen, sonder auch Spaß an klassischer Musik wecken und die kreativen Potentiale der Kinder fördern. Es wird also komponiert!

Die Schüler der Rosa-Luxemburg-Schule arbeiten mit der App vidibox. Hier können bis zu sechzehn kurze Videos zu einer Art Instrument angeordnet werden. So können problemlos Mozart und die Fahrradklingel oder Mendelssohn mit Wasserrrauschen vermischt werden. Die Kinder haben die App schnell verstanden und spielen begeistert los. Großes Freude, was da so alles möglich ist, doch es klingt noch ein wenig nach Kraut und Rüben…. Also erst einmal die Mittel reduzieren. Der Auftrag lautet: Erstellt eine Komposition mit vier Klängen, einer davon ist Musik (natürlich gespielt von der KAP), dazu noch drei Geräusche, und schreibt Eure Komposition als Partitur auf. Nicht mit Noten, wohlbemerkt, sondern mit eigenen Zeichen in bunten Systemen. So etwa sieht das Ganze dann aus:

Partitur 1

Und wie klingt diese Partitur? Das kann ganz unterschiedlich sein. Zum Beispiel so:

oder so

Oder auch so:

Die Kinder versinken in Ihrer Arbeit und wollen kaum wieder aufhören, jede Gruppe kann am Ende eine eigene Komposition vorstellen.

Noch mehr über die Geräusch-Kompositionen der Kinder können Sie übrigens hier in einem schönen Artikel von Steffi Pyanoe in der PNN nachlesen. Oder am 13.5. im Rahmenprogramm des Sinfoniekonzerts der Kammerakademie im Nikolaisaal sehen und hören.

Ein Beitrag von Isabel Stegner

Geräusch oder Musik?

klein_(c)_Robert_Niemeyer_(16)1Wie definiert sich Musik? Wodurch wird ein Geräusch zu Musik? Geht es um das bewusste Anordnen von Klängen? Oder ist das Hervorbringen von Klängen per se Musik, so wie es beispielsweise John Cage definiert?

Ein Kinderkonzert ist kein Ort zum Philosophieren, wohl aber zum Spielen mit experimentellen Klängen. Beim Kinderkonzert der KAP „Mitmach-Melodie der Großstadt“ kommen also, begleitet von einem klassischen Streichquartett, diverse Klangerzeuger zum Einsatz: Trillerpfeife und Hupe, Schreibmaschine und Spülbürste, Pfanne und Kochtopf – die Liste ließe sich weiter fortsetzen. Optischer Hingucker ist ein Küchenschlagzeug-Set aus Pfannen, Töpfen Tassen und Eimern.klein98

Dem KAP-Schlagzeuger Friedemann Werzlau zur Seite steht Eselin Frieda, die zusammen mit den Kindern einen klangvollen Tag in der Stadt erlebt. Zum Aufstehen gibt es eine Body-Percussion (Guten Morgen! Na, gut geruht? Ja, ziemlich gut!). Dann folgt Musik der verschiedensten Stilrichtingen, die mit geräuschhaften Klängen arbeitet. Im „Typewriter“ von Leroy Anderson spielt die Schreibmaschine als Rhythmus-Section mit, die „living room music“ von John Cage wird auf dem Küchenschlagzeug musiziert, die dreckigen Töpfe bürstet Eselin Frida zum „Sandpaper Ballet“ von Anderson. Wir haben den beiden mal beim Üben über die Schulter geschaut:

MinionUnd der Sound der Baustelle ist schließlich die „music for pieces of wood“ von Steve Reich. Danach bauen die Kinder eigene Klangerzeuger. Aus leeren Ü-Eiern wird mit Hilfe von Reis, blauem Klebeband und Wackelaugen ein Minion-Orchester, das den Klang von Regen imitieren kann, eine bewegte Rhythmus-Section beim Straßenverkehrs Boogie bildet oder zum ungarischen Tanz von Brahms abtanzt.

Gut gelaunt gehen Kinder und Musiker nach Hause. Was ist nun bei den Kindern hängen geblieben? Sind Geräusche Musik…? Eine Mutter schreibt uns wenige Tage später: Ihr Sohn habe abends eine Bühne aufgebaut, Tickets verkauft und zum Puppenspiel-Konzert geladen, in dem eine halbe Stunde lang mit den verschiedensten Materialien Klänge erzeugt wurden. Diesem Kind hat Frieda ganz sich die Ohren geöffnet – so wie hoffentlich vielen anderen auch. Da dürfen wir ein wenig stolz sein, oder??

Ein Beitrag von Isabel Stegner

Fotos: Robert Niemeyer

Der Ohrentäuscher

Wir befinden uns im Zeitalter von Fake-News und alternativen Fakten. Nun hat das Phänomen auch die Kammerakadmie erreicht; ausgerechnet in der Kita wurde sie mit gefakten Klängen konfrontiert! Lassen Sie sich überraschen, sehen und hören Sie selbst (und lesen Sie erst danach weiter!):

Es ist eine gewaltige Leistung, welche die Kinder der Kita Tönemaler hier vollbracht haben. Erst haben sie die Geräusche auf dem Spielplatz gesucht, dann ihren Lieblingsklang herausgesucht und ihn schließlich mit anderem Instrumentarium nachgeahmt. Zerknülltes Butterbrotpapier und eine Keksdose, Mundspatel und Knöpfe in der Konservenbüchse brachten die gewünschten Ergebnisse. Auch wenn die Synchronisierung bisweilen nicht perfekt ist, sind die Klänge doch so gut imitiert, dass es für einen „Ohrentäuscher“ reicht. Und ganz nebenbei haben die Kinder nicht nur wieder einmal ganz genau hingehört, sie haben auch gelernt, den Klang vom Bild zu abstrahieren. Beachtlich für 5 und 6 Jährige – Hut ab!!

Ein Beitrag von Isabel Stegner