KAP on Tour – Quer trifft Pan

19092798_1339160796205299_1735289811318021137_oWieder waren wir Musiker der Kammerakademie auf Tour und auch diesmal waren wir mit offenen Ohren unterwegs und haben spannende Klänge nach Potsdam mitgebracht, diesmal aus Südamerika. Nicht nur die Vogelrufe klingen dort anders – in Santiago waren ganze Schwärme von kleinen Papageien zu sehen und zu hören. Auch die Musik, die wir in den Straßen der pulsierenden Großstädte einfangen konnten, steht in schönem Kontrast zu dem klassischen Repertoire, das wir zusammen mit Trecor Pinnock und Emmanuel Pahud mit nach Brasilien, Chile und Argentinien gebracht haben.

IMG_20170613_124609Hier nun also eine kleine vidibox-Klangreise durch Südamerika: Nach dem Flug über die Anden, dem Besuch in Buenos Aires Tangoviertel „La Boca“, der Fahrt mit der Zahnradbahn zum Wallfahrtsort Cerro San Cristóbal und der Fahrt durch das Tigre-Delta gelangen wir vor dem Rückflug in ein typisch argentinisches Empanada Restaurant. Der klangliche Bogen spannt sich dabei von der Querflöte, gespielt von unserem Solisten Emmanuel Pahud, bis hin zur Panflöte, dem typischen Instrument der Straßenmusiker. Viel Vergnügen!img_20170609_150015-e1498078420852.jpg

Ein Beitrag von

Isabel Stegner

Geige trifft Keksdose

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An der Kita Tönemaler geht es in die nächste Runde: Nachdem wir alltägliche Gegenstände zu Instrumenten umfunktioniert haben, wird nun dafür komponiert. Aber wie kann man ein Stück für Perlen, Eicheln in der Kiste, Tablett mit Gläsern und ein Blatt Papier notieren?

Die Kinder finden schnell Ideen: Lange und kurze Töne kann man durch die Länge der Striche festlegen, die Größe der zeichen bestimmt die Lautstärke. Und dann gibt es noch die „das kling als ob“ Zeichen. Links unten, das muss natürlich so klingen, als ob es regnet. Also leise die Perlen rieseln lassen….

Wenn man die Zeichen in Reige legt, entsteht eine erste Komposition; ein Kind zeigt an, was gespielt wird. Man kann das Stück langsam oder schnell spielen, aber auch vorwärts oder rückwärts, stellen die Kinder fest.

Zum Schluss der Stunde wird noch eine Komposition direkt auf der großen Papierrolle notiert. Und auf einmal stehen zwei Zeichen übereinander, es wird es zweistimmig! Wieder ein neuer Aha-Effekt. Wir zwei KAP-Musiker spielen noch einmal vor, was die Kinder notiert haben und dann wird die Rolle wieder eingerollt.

Bis zum nächsten Mal!

 

Ein Beitrag von Isabel Stegner

Fotos Christine Mäder

Potsdamer Wassermusiken

Das Wasser spielt nicht nur optisch im Stadtbild Potsdams eine große Rolle. Wasserplätschern, Entengeschnatter und Schiffsmotoren sind an vielen Orten in der Stadt wahrnehmbar. Auch noch weiter weg zu hören ist das Tuten der Gustav, des alten Dampfschleppers, der mittlerweile als Ausflugsdampfer dient und zu einem Potsdamer Wahrzeichen geworden ist.

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Die Klasse 4c der Rosa-Luxemburg-Schule hat sich genau dieses Schiff als Inspirationsquelle für ein Geräusch-Installation und -Aktion ausgesucht. Und um die diversen Klänge dieses Schiffs erst einmal wahrzunehmen und einzufangen, ist eine Fahrt mit der Gustav natürlich Pflicht. Dass sogar die Kaffeetassen im Rhythmus der Maschine klirren, war einer der überraschen „Klangfunde“ der Tour.

Hier eine ertse Zusammenstellung der Dampfer-Geräusche, arrangiert vom KAP-Cellisten Christoph Hampe, der die Klasse künstlerisch begleitet:

Nun kann also mit dem Material „weitergespielt“ werden. Fortsetzung folgt!

Ein Beitrag von Isabel Stegner

Ein ganz normaler Tag…

Wozu immer Bilder? Es geht doch schließlich um das Hören!
In der 9. Klasse ist bei den Schülern tatsächlich schon ausreichend Abstraktionsvermögen vorhanden, um mit reinen Audio-Files zu arbeiten. Die Klasse 9e des Leibniz-Gymnasiums, betreut vom KAP-Geiger Matthias Leupold und ihrem Musiklehrer Sebastian Hanke, haben reine „Sound-Stories“ erstellt. Zusammengebastelt wurden sie am Computer mit Hilfe der Freeware Audacity, einer Software zur Audio-Bearbeitung.

time-306150_1280Gar nicht so einfach, die gesammelten Geräusche sinnvoll zu kombinieren und das auch noch auf mehreren Spuren… In der Schule wird begonnen, zu Hause arbeiten die Schüler an den eigenen Computern weiter.
Aus Klängen werden so Geschichten; natürlich nicht fehlen darf der natürliche Feind eines jeden Teenagers, der Wecker! Hören Sie
„Everyday the same dream“:

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Immer wieder dankbar zu Verarbeiten sind übrigens auch die Sounds des Nahverkehrs!

Als zweite Klangstory ist hier zu hören
„Alltag in Potsdam“:

Lust bekommen, es selber auch einmal zu probieren? Es geht ganz einfach, Für’s Aufnehmen reicht ein Handy und die Software zum Verarbeiten gibt es hier:
http://www.audacityteam.org/download/

Ein Beitrag von Isabel Stegner
Foto: Jule Stegner

Partitur mit Wasserhahn

Geräusche gesammelt haben die schlauen Igel mit Begeisterung! Aber was machen wir nun mit all den interessanten Klängen, die wir gefunden haben? Wir wollen schließlich nicht nur das genaue Hinhören schulen, sonder auch Spaß an klassischer Musik wecken und die kreativen Potentiale der Kinder fördern. Es wird also komponiert!

Die Schüler der Rosa-Luxemburg-Schule arbeiten mit der App vidibox. Hier können bis zu sechzehn kurze Videos zu einer Art Instrument angeordnet werden. So können problemlos Mozart und die Fahrradklingel oder Mendelssohn mit Wasserrrauschen vermischt werden. Die Kinder haben die App schnell verstanden und spielen begeistert los. Großes Freude, was da so alles möglich ist, doch es klingt noch ein wenig nach Kraut und Rüben…. Also erst einmal die Mittel reduzieren. Der Auftrag lautet: Erstellt eine Komposition mit vier Klängen, einer davon ist Musik (natürlich gespielt von der KAP), dazu noch drei Geräusche, und schreibt Eure Komposition als Partitur auf. Nicht mit Noten, wohlbemerkt, sondern mit eigenen Zeichen in bunten Systemen. So etwa sieht das Ganze dann aus:

Partitur 1

Und wie klingt diese Partitur? Das kann ganz unterschiedlich sein. Zum Beispiel so:

oder so

Oder auch so:

Die Kinder versinken in Ihrer Arbeit und wollen kaum wieder aufhören, jede Gruppe kann am Ende eine eigene Komposition vorstellen.

Noch mehr über die Geräusch-Kompositionen der Kinder können Sie übrigens hier in einem schönen Artikel von Steffi Pyanoe in der PNN nachlesen. Oder am 13.5. im Rahmenprogramm des Sinfoniekonzerts der Kammerakademie im Nikolaisaal sehen und hören.

Ein Beitrag von Isabel Stegner

Geräusch oder Musik?

klein_(c)_Robert_Niemeyer_(16)1Wie definiert sich Musik? Wodurch wird ein Geräusch zu Musik? Geht es um das bewusste Anordnen von Klängen? Oder ist das Hervorbringen von Klängen per se Musik, so wie es beispielsweise John Cage definiert?

Ein Kinderkonzert ist kein Ort zum Philosophieren, wohl aber zum Spielen mit experimentellen Klängen. Beim Kinderkonzert der KAP „Mitmach-Melodie der Großstadt“ kommen also, begleitet von einem klassischen Streichquartett, diverse Klangerzeuger zum Einsatz: Trillerpfeife und Hupe, Schreibmaschine und Spülbürste, Pfanne und Kochtopf – die Liste ließe sich weiter fortsetzen. Optischer Hingucker ist ein Küchenschlagzeug-Set aus Pfannen, Töpfen Tassen und Eimern.klein98

Dem KAP-Schlagzeuger Friedemann Werzlau zur Seite steht Eselin Frieda, die zusammen mit den Kindern einen klangvollen Tag in der Stadt erlebt. Zum Aufstehen gibt es eine Body-Percussion (Guten Morgen! Na, gut geruht? Ja, ziemlich gut!). Dann folgt Musik der verschiedensten Stilrichtingen, die mit geräuschhaften Klängen arbeitet. Im „Typewriter“ von Leroy Anderson spielt die Schreibmaschine als Rhythmus-Section mit, die „living room music“ von John Cage wird auf dem Küchenschlagzeug musiziert, die dreckigen Töpfe bürstet Eselin Frida zum „Sandpaper Ballet“ von Anderson. Wir haben den beiden mal beim Üben über die Schulter geschaut:

MinionUnd der Sound der Baustelle ist schließlich die „music for pieces of wood“ von Steve Reich. Danach bauen die Kinder eigene Klangerzeuger. Aus leeren Ü-Eiern wird mit Hilfe von Reis, blauem Klebeband und Wackelaugen ein Minion-Orchester, das den Klang von Regen imitieren kann, eine bewegte Rhythmus-Section beim Straßenverkehrs Boogie bildet oder zum ungarischen Tanz von Brahms abtanzt.

Gut gelaunt gehen Kinder und Musiker nach Hause. Was ist nun bei den Kindern hängen geblieben? Sind Geräusche Musik…? Eine Mutter schreibt uns wenige Tage später: Ihr Sohn habe abends eine Bühne aufgebaut, Tickets verkauft und zum Puppenspiel-Konzert geladen, in dem eine halbe Stunde lang mit den verschiedensten Materialien Klänge erzeugt wurden. Diesem Kind hat Frieda ganz sich die Ohren geöffnet – so wie hoffentlich vielen anderen auch. Da dürfen wir ein wenig stolz sein, oder??

Ein Beitrag von Isabel Stegner

Fotos: Robert Niemeyer

Der Ohrentäuscher

Wir befinden uns im Zeitalter von Fake-News und alternativen Fakten. Nun hat das Phänomen auch die Kammerakadmie erreicht; ausgerechnet in der Kita wurde sie mit gefakten Klängen konfrontiert! Lassen Sie sich überraschen, sehen und hören Sie selbst (und lesen Sie erst danach weiter!):

Es ist eine gewaltige Leistung, welche die Kinder der Kita Tönemaler hier vollbracht haben. Erst haben sie die Geräusche auf dem Spielplatz gesucht, dann ihren Lieblingsklang herausgesucht und ihn schließlich mit anderem Instrumentarium nachgeahmt. Zerknülltes Butterbrotpapier und eine Keksdose, Mundspatel und Knöpfe in der Konservenbüchse brachten die gewünschten Ergebnisse. Auch wenn die Synchronisierung bisweilen nicht perfekt ist, sind die Klänge doch so gut imitiert, dass es für einen „Ohrentäuscher“ reicht. Und ganz nebenbei haben die Kinder nicht nur wieder einmal ganz genau hingehört, sie haben auch gelernt, den Klang vom Bild zu abstrahieren. Beachtlich für 5 und 6 Jährige – Hut ab!!

Ein Beitrag von Isabel Stegner

Das Hören Üben

Nun sind auch die „schlauen Igel“ im Hörfieber: Projekttag im Rahmen von „KAPstadt – so klingt Potsdam“. Zusammen mit 24 Schülern der FLEX-Klasse der Rosa-Luxemburg-Schule und der Lehrerein Frau Niemeyer sitze ich im morgendlichen Kreis. Zunächst einmal achten wir auf die leisen Töne: Was hören wir noch, wenn wir ganz still sind? Vögel, Verkehr, da tickt noch eine Uhr. Und manche Schuhe quietschen ganz leise. Hört man etwas, wenn wir ganz vorsichtig ein Blatt Papier im Kreis geben? Ja, sogat das Loslassen der Finger macht ein Geräusch. Die Kinder sind unglaublich still!

Dann wird geraten. Ich habe wieder Klänge auf dem iPad mitgebracht und bin schon wieder begeistert. Die Kinder erkennen sogar Schritte im Schnee und mein Kratzen auf der Geige! Nur das Klicken des Kugelschreibers bleibt unerkannt – das ist wahrscheinlich einfach nicht mehr zeitgemäß….
Flex Photos - 1 von 4Anschließend wird das Aufnehmen geübt. Die Kinder erforschen in kleinen Gruppen ihre Umgebung. Jedes Team hat einen Regisseur, einen Kameramann und einen Tonmeister – vielleicht auch noch einen Tonassistenten. Denn die Klänge sind ja das Wichtigste! Gar nicht so einfach, dass da keiner in die Aufnahme reinquatscht; das fällt meistens erst beim Abhören auf.

Und dann geht es los. Eine große Runde über die Freundschaftsinsel, am Landtag vorbei und über den alten Markt wieder zurück. Leise und naturnah zu Beginn: Vögel, Wasser, Quietschen auf der Rutsche. Dann kommt der Verkehr dazu und immer wieder heißt es: Achtung, Aufnahme!
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Eine Reporterin von Antenne Brandenburg ist mit ihrem Mikro auch dabei. Wie spannend – gleich entstehen kleine „Fachgespräche“ zwischen ihr und den „Tonmeistern“. Mikro möglichst nah dran, das ist wichtig!

Unten ein kleiner Eindruck von unserem Hörausflug – noch nahezu unbearbeitet…

flex-photos-4-von-4.jpgNach fast zwei Stunden kehren wir zurück. Voller Eifer hören die Kinder noch die Klänge ab, die sie gesammelt haben und löschen schon einmal Unbrauchbares. Jede Gruppe darf ihre drei Lieblingsklänge vorstellen. Müde aber begeistert gehen die 24 schlauen Igel dann zum Mittagessen.
Morgen geht es weiter, dann werden wir die Klänge verarbeiten. Wir alle sind wirklich gespannt, was dabei herauskommt!

Ein Beitrag von
Isabel Stegner

Mit Pjotr auf dem Spielplatz

Wieder trifft Geräusch auf Musik. Diesmal ist es die berühmte Streicherserenade von Tschaikowski, gespielt von der Kammerakademie, die mit Klängen und Bildern vom Spielplatz kombiniert wird. Wuselige Klangflächen werden bildhaft, scharfe Akzente betont. Hier ein kleiner Ausblick auf die unendliche, kreative Spielwiese – vidibox macht’s möglich:

Ein Beitrag von Isabel Stegner

Der Spielplatz-Groove

Laute Geräusche sind toll! Mit den Schuhen auf das Metall trommeln oder mit dem Holz auf die Schippe hauen macht einfach Spaß! Aber es gibt auch viel im Verborgenen zu entdecken. Der Haken, der eigentlich das Eingangstor festhält, klingt wunderbar. Und Holzkugeln, die die Rutsche hinunterhüpfen können sogar richtig Rhythmus machen. Manche Kinder sind für die leisen Töne zuständig. Schuhe Abbürsten klingt prima, Sandschippen auch. Und sogar ein Stöckchen, das auf dem Grasboden kratzt, macht ein besonderes Geräusch.

Unermüdlich sind die Kinder der Kita Tönemaler bei ihrem Klangspaziergang, wir kommen mit dem Aufnehmen kaum hinterher. Material haben wir nun genug! Eine kleine Klang-Runde habe ich hier schon einmal zusammengestellt:

 

Beim nächsten Treffen werden wir dann wieder Bild und Ton trennen. Wer erkennt „sein“ Geräusch wieder? Und wie könnte man dieses Geräusch imitieren? Am Ende werden wir dan ein ganzes Kita-Orchester von Geräusche-Musikern vor uns haben – ganz wie die Großen!

Ein Beitrag von Isabel Stegner